Gesellschaftliche Integration (z.B. Gewaltprävention)

Gewalt wird nicht nur durch Schläge und Misshandlung erlebt, sondern auch durch soziale Ausgrenzung. Ausländer, die dauerhaft in Deutschland leben, müssen in unserer Gesellschaft ihren Platz finden, um anerkannte Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden. Integration bedeutet nicht Assimilation, Integration bedeutet auch nicht Akzeptanz einer multikulturellen Gesellschaft. Integration bedeutet den Eintritt in die deutsche Gesellschaft, ohne völlige Preisgabe der bisherigen Identität. In erster Linie hängt eine erfolgreiche Integration von der Bereitschaft der Ausländer und Aussiedler ab, sich an die Lebensverhältnisse in Deutschland anzupassen und die bestehenden Angebote anzunehmen. Es ist eine trügerische Hoffnung anzunehmen, dass Ausländer der dritten Generation ausreichend Deutsch können. Im Gegenteil: Die Notwendigkeit zum Deutschlernen hat nachgelassen. Es gibt zunehmend Kinder, die keinen Kindergarten besuchen und in Klasse eins kein einziges Wort Deutsch können. Deshalb ist die Förderung der Sprachkompetenz im Vorschulalter vorrangiges Ziel der Ausländerintegration. Früh Deutsch lernen ist wahrscheinlich das beste Mittel zur Vorbeugung gegen die überproportional hohe Jugendgewaltbereitschaft von Ausländer und Aussiedlern.

Wer in Armut aufwächst hat als Erwachsener schlechtere Lebenschancen. Im Zusammenhang mit der Armutsentwicklung spricht man inzwischen von einer "Infantilisierung" der Armut. Im Rahmen von Einschulungsuntersuchungen diagnostizierten die Ärzte bei Kindern aus sozial benachteiligten fast doppelt so häufig die Notwendigkeit einer Frühförderung als bei Kindern aus höheren sozialen Schichten (vgl. Dtsch Ärztebl;99;A93-95 Heft 3).

Verschiedene Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen der sozioökonomischen Situation von Familien und Gewalt gegen Kinder. Weitere Untersuchungen kommen auch zu dem Ergebnis, dass sich die psychische und physische Gesundheit sowie das Wohlbefinden von Kindern, die in sozialer Armut leben, in erschreckendem Maße verschlechtern. (vgl. Dtsch Ärztebl; 99; A93-95 Heft 3). Kinderarmut führt zur Ausgrenzung. Die Elternakademie möchte die Eigeninitiative der betroffenen Familien durch entsprechende Angebote stärken. Nicht nur Kinder, sondern auch Eltern aus Risikogruppen sollen mit sozialen Projekten Hilfe erhalten, um die Spirale aus Perspektivlosigkeit, Ohnmachtsgefühl und Gewalt zu unterbrechen.

Unter der Vorgabe "Sprechen satt prügeln" wurde von der Abteilung für Psychsomatische Kooperationsforschung und Familientherapie der Universität Heidelberg ein Curriculum zur Gewaltpräventation an Grundschulen entwickelt. Nach dreijähriger Evaluation weist das Curriculum "Faustlos" erstaunliche Erfolge auf: Aggressives Verhalten und Verhaltensauffälligkeiten konnten deutlich verringert werden. Impulskontrolle ist eine Fähigkeit, die erlernt werden kann. Dazu benötigen Kinder Vorbilder, die ihnen zeigen, wie man heftige Gefühle zügeln kann. Wer in seiner Kindheit nicht gelernt hat, wie man mit seiner Agressivität angemessen umgeht, neigt während des ganzen Lebens zu impulsivem und vielleicht auch gewalttätigem Verhalten. Durch das Präventions-Programm "Faustos" wird die Impulsivität und Gewaltbereitschaft bei den Kindern vermindert und die soziale Kompetenz erhöht (nähere Informationen zu "Faustlos", Email: faustlos@med.uni-heidelberg.de).


 
Bild: Lord Yehudi Menuhin und Dr. Renate Heinisch beim 1. Symposium der "Assembly of European Cultures" im Europäischen Parlament in Brüssel (November 1997)

 

 

 

 

"Der Sinn unseres Lebens besteht nicht aus Reichtum und Ruhm, nicht aus Egoismus und Eitelkeit. Der Sinn unseres Lebens heißt Liebe und Toleranz. Die Realität weist uns einen Weg, der uns die Möglichkeit zeigt, unsere Verantwortung zu übernehmen. In der letzten Stunde unseres Lebens werden wir dankbar sein unsere Mitmenschlichkeit und Hilfe, die wir all denjenigen zukommen ließen, die uns, unsere Kraft, unser Wissen und unsere Liebe brauchten." Lord Yehudi Menuhin.

Lord Yehudi Menuhin (gest. März 1999) betonte immer wieder die Bedeutung der Musik in den Bildungsprozessen der frühen Kindheit. Beim Besuch der MUS-E Schule in Brüssel (Mulitkulturelles-soziales Schulprojekt für Europa) erlebte Renate Heinisch die Wirkung von Musik, Gesang, Theater, Tanz und Kampfkunst auf Kinder aus sozial benachteiligtem Umfeld.

Die BWEA will dieses Projekt in die Arbeit mit einbeziehen.

 

 

"Lasst unsere Kinder zuerst singen und tanzen. Die Fakten haben Zeit. Musik ist auch orale Mathematik", so Lord Yehudi Menuhin.

Kinder lernen durch die kreative künstlerische Arbeit, ihre Energien neu auszudrücken.

Dadurch werden sie selbstbewusster und ausgeglichener. Die Kinder lernen "Sprachen", die es ihnen, anders als die "Sprache der Gewalt", ermöglichen, Konflikte konstruktiv zu lösen und Probleme zu überwinden.