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Teilleistungsstörungen versteht man Leistungsdefizite in begrenzten Funktionsbereichen
die nicht aus einer Behinderung resultieren und trotz hinreichender Intelligenzleistung
und regelmäßiger Förderung vorhanden sind. Teilleistungsstörungen werden
in den meisten Fällen erst in der Schule erkannt. Die Störung liegt aber
schon zu einem früheren Zeitpunkt vor. Eine genaue Beobachtung kann helfen
sie frühzeitig zu erkennen.
Voraussetzung
für eine Teilleistungsstörung ist somit eine im Verhältnis zum Funktionsdefizit
gute Intelligenz sowie keine schwere Beeinträchtigung der Seh- oder Hörfähigkeit.
Auch eine neurologische Erkrankung muß ausgeschlossen werden.
Wir
unterscheiden:
Einfache
Artikulationsstörungen
Die Entwicklungsfortschritte beim Erlernen aller Sprachlaute variieren
erheblich. Nur eine deutliche Abweichung von der Norm wird als Teilleistungsstörung
der Artikulation diagnostiziert, wobei wiederum Voraussetzung ist, dass
keine organische Erkrankung wie z. B. Kiefer-Gaumen-Spalte oder ein allgemeiner
Entwicklungsrückstand besonders in der Sprachentwicklung vorliegt.
Am häufigsten sind Artikulationsfehler im Bereich der Zischlaute. Ein
Drittel der Kinder behält diese Auffälligkeit bis ins Erwachsenenalter.
Kinder mit Artikulationsstörungen haben nicht häufiger Schulleistungsprobleme
als ihre Altersgenossen. Sie erbringen die gleichen Durchschnittsnoten
in den Hauptfächern wie Kinder ohne Teilleistungsstörungen. 70% besuchen
das Gymnasium oder die Realschule. Sprachliche und nichtsprachliche Intelligenz
sind altersgemäß, lediglich die Konzentrationsleistung kann etwas vermindert
sein.
Die
Krankheitsursache ist wenig gesichert. Nach jetzigem Kenntnisstand wird
eine milde Entwicklungsverzögerung im Bereich des Zentralnervensystems
angenommen. Schwerwiegende Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen
finden sich nicht. Das Elektroenzephalogramm ist unauffällig. Die meisten
Betroffenen sind männlich 83%.
Expressive
und rezeptive Sprachstörungen
Expressive Sprachstörungen sind durch einen eingeschränkten aktiven Wortschatz
sowie zahlreiche grammatische Fehler gekennzeichnet. Eine Störung der
rezeptiven Sprache zeigt sich darin, dass vergleichsweise wenig Begriffe
verstanden werden bzw., dass ähnliche Begriffe verwechselt werden. Personen
mit expressiven und rezeptiven Sprachstörungen vermeiden das aktive Sprechen
und ersetzen sprachliche Kommunikation durch nonverbale Kommunikation,
also besonders Gesten. Personen mit einer derartigen Teilleistungsstörung
werden häufig intellektuell unterschätzt oder gar mit geistig behinderten
Menschen verwechselt. Ausgeschlossen werden muss auch eine ausgeprägte
Schwerhörigkeit und Autismus.
Zwischen einer Sprachstörung und einer Lese-Rechtschreibstörung besteht
ein breiter Überschneidungsbereich. 60% der sprachgestörten Kinder sind
auch lese-rechtschreibschwach. Über 70% haben Schulprobleme. Etwa die
Hälfte der Kinder besucht die Förderschule. Nur 10% das Gymnasium oder
die Realschule. Auffällig ist die große Differenz zwischen sprachlicher
und nichtsprachlicher Intelligenz. Beeinträchtigt sind auch die Konzentrationsfähigkeit
und das Kurzzeitgedächnis. Auch bei jungen Erwachsenen gibt es viele psychischen
Auffälligkeiten wie Verhaltensstörungen oder Neurosen.
Einige
Forscher machen genetische Ursachen für die Sprachentwicklungsstörungen
verantwortlich. Unbestritten ist die hohe Bedeutung psychosozialer Belastungen,
insbesondere in der frühen Kindheit (Vulnerabilität).
Störungen
des Lesens und des Rechtschreibens (LRS)
Es gibt Kinder, die trotz guter intellektueller Fähigkeiten besondere
Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben haben. Generell sind Lesegeschwindigkeit
und Sinnerfassung des Gelesenen herabgesetzt. Beim Rechtschreiben treten
gehäuft Fehler auf. Während die Schwierigkeiten beim Lesen durch gezielte
Förderung häufig zu beheben sind, hält sich die Rechtschreibschwäche meistens
bis ins Erwachsenenalter. Durch neue Richtlinien haben Lehrer in Baden-Württemberg
erweiterte pädagogische Spielräume bei der Leistungserhebung und Leistungsmessung
von Schülern mit LRS (K. u. U. 1998 S.1).
Etwa
60% der lese-rechtschreibschwachen jungen Erwachsenen haben in der Vorgeschichte
Sprachentwicklungsstörungen. Hinzu kommt ein hoher Prozentsatz von psychischen
Störungen.
Die
Ursache für spezifische LRS Störungen ist überwiegend genetisch, in Einzelfällen
ist eine durch Hirnschädigung bedingte Störung der Informationsverarbeitung
ursächlich. Der zusätzliche hohe Zusammenhang mit psychosozialen Belastungen
macht auch hier ein Vulnerabilitätsmodell wahrscheinlich. Gerade, wenn
es Defizite in der Informationsverarbeitung gibt, ist eine Förderung der
informationsverarbeitenden Systeme im frühkindlichen Alter von entscheidender
Bedeutung.
Rechenstörung
Unter Rechenstörung wird eine Beeinträchtigung der Rechenfertigkeit verstanden,
die nicht durch eine Minderung der allgemeinen Intelligenz oder mangelnde
Förderung erklärt werden kann. Man unterscheidet zwischen Kindern deren
Rechenstörung als Folge einer ausgeprägten Lese-Rechtschreibschwäche auftritt,
und Rechenschwächen, die bei Kindern mit guten Lese-Schreibleistungen
auftreten. Im ersten Fall handelt es sich nicht um eine originäre Rechenschwäche.
Menschen mit Rechenschwächen verfügen über eine mangelhafte Vorstellung
im Zahlenraum, sie haben Schwierigkeiten die Reihenfolge von Ziffern zu
speichern und Textaufgaben in den praktischen Rechenvorgang zu überführen.
In der Forschung wurde die Rechenschwäche weitgehend vernachlässigt. Es
ist jedoch nicht anzunehmen, dass sich beim überwiegenden Teil der Betroffenen
die Rechenleistungen im Jugend- und Erwachsenenalter normalisieren. Das
Geschlechtsverhältnis ist im Gegensatz zu den anderen Teilleistungsstörungen
eher mädchenlastig. Verhaltensprobleme manifestieren sich in Richtung
von Ängsten, depressiven Verstimmungen und extremer Schüchternheit.
Entwicklungsstörung
der motorischen Funktionen
Bei dieser Teilleistungsstörung ist die Grobmotorik gestört. Die Kinder
fallen durch staksige, plumpe Bewegungen auf. Die Feinmotorik ist weitgehend
intakt. Abgrenzungsprobleme ergeben sich zu neurologischen Störungen (cerebrale
Bewegungsstörung, Muskeldystrophie, Schädel-Hirn- Verletzungen).Durch
gezielte krankengymnastische Übungen kann die gestörte Motorik weitestgehend
normalisiert werden. Ohne eine gezielte Therapie im Kindesalter muss davon
ausgegangen werden, dass die motorischen Störungen auch beim Erwachsenen
vorhanden sind. Ätiologisch finden sich vermehrt Schwangerschafts- und
Geburtskomplikationen . Motorische Störungen sind mit psychosozialen Belastungen
nicht assoziiert. Bezüglich der Schulentwicklung gibt es keine Besonderheiten.
Die Jugendlichen haben jedoch häufig Kontaktschwierigkeiten, sind scheu
und ängstlich.
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